„TRENNUNG AUS MEDITATIVER SICHT“

von Karsten Spaderna.

Nach tausenden Jahren Evolution verhält sich die Menschheit noch immer so dumm, dass sie Kriege führt und untereinander tötet, weil sie sich von Religion und Länderei usw. trennen lässt. Könnte denn nicht in der Trennung selbst der Ursprung von Gewalt liegen? Liegt die Ursache der heutigen Gewalt nicht vielleicht in der damaligen Trennung von Ländern, in der Einteilung von Religionen oder Berufen. Sie diese Dinge nicht alle von Menschen geschaffen worden? Hat diese Vorgehensweise die Menschheit nicht immer mehr getrennt?

Die meisten unserer Probleme sind selbst verursacht. Niemand kommt als Hindu, Christ oder Buddhist auf die Welt. Jeder kommt als Mensch auf die Welt und lernt dann, was Hinduismus, das Christenum oder der Buddhismus ist. Bis dahin hat niemand gesagt, dass man sich damit identifizieren muss. Ebenso ist es mit der Staatsangehörigkeit. Niemand wird als Deutscher, Italiener oder Spanier geboren. Wir alle waren kleine Babys mit gewissen Charaktereigenschaften, aber unser Verstand war leer und wurde erst mit dem Verhalten der Eltern, der Schule, der Lehrer usw. gefüllt. Man wird in einem bestimmten Land geboren und lernt dann die Traditionen und Verhaltensweisen dieses Landes. Aber was hat das wirklich mit einem selbst zu tun? Es sind nur Traditionen oder Religionen. Es sind nur bestimmte Glaubensrichtungen oder Verhaltensweisen. Man kann sie sich aneignen oder nicht. Man kann Sympathisant werden oder alles mit Gleichmut betrachten. Man kann auf gewisse Umstände reagieren oder es als Erfahrung wahrnehmen und wieder gehen lassen. Es berührt das innerste Sein nicht einmal. Hätte uns jemand das Beobachten gelehrt, dann würde jeder noch immer er selbst sein, ganz unabhängig von Religion oder Staatsangehörigkeit. Jeder könnte den anderen so akzeptieren wie er ist.

Damals glaubt man, dass es besser sei Religionen zu schaffen oder Länder zu trennen. Nun kämpfen die Menschen wieder um ihre Freiheit und glauben heute vielleicht es besser zu wissen wie damals. Bis in weiter Zukunft wieder alles verändert wird, weil das heutige vielleicht auch nicht gut genug war. Alles dies sind Bewegungen und Handlungen. Ein ständiges Leben und Sterben. Man kann sich durchaus darin verlieren, wenn man auf eine dieser Veränderungen aufspringt. Für eine Zeit findet man dies oder jenes gut und dann fährt man mit dem anderen Zug. Ein ständiges hin und her und und eigentlich könnte man es als schönes Spiel betrachten, wenn man nicht so sehr mit seiner Persönlichkeit daran hängen würde. Die meisten probieren das ein oder andere aus um eben das wieder zu finden, was sie schon als kleines Kind waren- Sie selbst.

So gehen die meisten Leute von einen spirituellen Workshop oder Meister zum anderen. Sie werden zu spirituelle Touristen die von allem etwas ausprobieren und sich schon ganz im Suchen verloren haben. Ein einziger Blick mit etwas Abstand auf das eigene Verhalten lässt einen das schnell erkennen. Aber mit Abstand auf sich zu schauen, wie man das hätte damals schon machen können, ist für die meisten, dessen Geist bereits festgefahren ist kaum möglich.

Wenn man auf sein Land, seine Religion, seinen Verein oder seinen Job fokussiert ist, dann hat man keinen Abstand mehr zum Rest der Menschheit. Es löst das Gefühl des Besonderen aus und lässt einen den anderen ganz vergessen. Jemand mag jahrelang geackert haben um in die Position des Managers zu kommen- …all die Lernerei, all der Stress, da braucht einer einem gar nicht blöd zu kommen, das war ja schließlich nicht alles umsonst…. Er glaubt nun das Recht zu haben, es besser zu wissen als der ungelernte kleine Postjunge. Auch hier schafft die Trennung die Probleme. Das Festhalten und Recht haben wollen, lässt einen ganz vergessen, dass wir alle einfach nur Menschen sind. Wir sind die Menschheit und machen eine Erfahrung als Mensch. Diese können wunderschön oder chaotisch und problematisch sein. Sie werden sich täglich ändern, da es eine Fülle auf dieser Welt gibt, die ein einziges kleines Menschengehirn gar nicht erfassen kann, weil es sich viel zu sehr mit seinem eigenen kleinen Ich beschäftigt ist. Dies ist ebenfalls eine Trennung die durch das eigene Verhalten und die eigene Gedankenstruktur aufgebaut wurde. Die Beziehung zu einem Parnter engt einen im gewissen Sinne ebenfalls ein, wenn wir uns nur noch auf den oder die Partner/in konzentrieren. Die Beziehung kann wunderschön sein oder problematisch werden, wenn man erkennt, dass die Fokussierung zu eng wurde. Durch das psychologische Festlegen auf eine Person, hat man sich im Verborgenen vorgenommen, andere auszuschließen. Dies liegt nicht im Sinne der gewünschten Erfahrungen und schließt die Fülle des Lebens aus. Gegen diese kann man sich gar nicht wehren, weil sie sich ständig erneuert. Ein Leben und Sterben, jeden Moment.

In der Meditation versuchen wir diese Strukturen zu erkennen und über sie hinaus zu gehen. Es ist nicht mal ein drüber hinaus gehen wollen, sondern vielmehr ein erkennen, dass der Geist nun mal so funktioniert. Der Geist selbst wird nie die Erfahrung machen können, die dein Sein in der Meditation erfährt.

Da du der Beobachter deines Geistes wirst, erkennst du seine Begrenzungen und somit erkennst du die Freiheit hinter deinen Gedanken. Unsere Gedanken werden immer in der Begrenztheit des gelernten, des erfahrenen oder des angesammelten reagieren. Wir reagieren meist aus der Vergangenheit heraus. Die meisten unserer Handlungen haben wir schon tausendmal  wiederholt. Jeden Tag die gleich Platte. In der Meditation erfahren wir diese Begrenztheit und akzeptieren sie als Teil unseres Menschseins. Dies lässt uns friedlich und liebevoll werden. Es nimmt uns die Ernsthaftigkeit und die Anstrengung. Es lässt uns einen Freiraum erkennen in dem wir uns aufhalten können und von dem aus wir betrachten können ohne involviert zu sein.

Meditation ist… Freisein.

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