Meditation und Selbstbeobachtung

Wenn du alle deine Motive, deine Beweggründe, dein Verlangen, deine Wünsche und Sehnsüchte erkannt hast, dann beginnt Meditation. Bevor du nicht weißt, warum du etwas möchtest und weshalb du vieles noch immer zu wenig ist, brauchst du dir auch keine Gedanken über Meditation zu machen. Wenn du deinem Verlangen nachjagst um zum Beispiel schöner sein zu wollen, oder besser oder anders sein zu wollen, solange hast du keine Zeit für Meditation. Du bist von einem „Ich sollte, ich muss, ich wäre gern“ so eingenommen, dass du keinen Platz für Selbstbeobachtung hast. Und wenn du keine Selbstbeobachtung hast, wie willst du dann erkennen, wer derjenige der sich „Ich“ nennt, überhaupt ist und wo die Beweggründe anders sein zu wollen oder besser oder was auch immer sein zu wollen her kommen?

Wer ist derjenige, der von sich behauptet er sei dies oder das? Wo kommen solche Gedanken her? Worauf beruhen sie? Wie ist derjenige der du glaubst zu sein entstanden? Ist er oder sie aufgrund von Erfahrungen, Erinnerungen, Wünschen und Verlangen entstanden? Wo kommen deine Gedanken über dich selbst her? Ist er oder sie schon vollkommen oder muss noch was vervollständigt werden? Fehlt noch was um in diesem oder jenem besser zu sein? Hast du das schon mal in Frage gestellt?

Es spricht nichts dagegen ein Geschäftsmann oder eine Geschäftsfrau zu sein. Jeder muss sein Geld verdienen. Aber jeder sollte auch seine Motive kennen und versuchen herauszufinden, worauf diese Motive beruhen. Ansonsten treiben einen nur Ängste, Sorgen, Kummer und Wut an und führen einen am Ende noch in den Wahnsinn. Um das zu erkennen brauchst du Selbstbeobachtung.

Wenn du dir beim nächsten Mal einen Pullover kaufen gehst, dann überprüfe einfach mal ob du den Pullover tatsächlich brauchst oder ob du nett aussehen möchtest, weil du glaubst damit mehr erreichen zu können. Wie gesagt, es spricht nichts dagegen gut aussehen zu wollen. Wenn du dich aber darauf begrenzt, siehst du vielleicht schon wie wenig du die volle Kapazität deines Gehirns nutzt. Wenn dir nur dein eigenes „Ich“ wichtig ist, hast du dich auf ein Minimum begrenzt. Auf ein winzige kleines Ich das nur irgendwelchen Dingen nachjagt und nicht mal weiß warum.

Wenn du dich nur positionieren möchtest, wirst du vielleicht dein ganzes Leben damit zu tun haben, denn in dieser Welt glauben alle ein Individuum zu sein. Jeder möchte besser sein wie der andere und der eine glaubt dass seine Ansicht die richtigere ist wie die des anderen. Selbst wenn du glaubst es gäbe jemanden der es besser weiß- In Beziehung zu was, weiß er es denn besser? Kann er etwas besser wissen oder ist es nur sein Ansicht? Und woher will er selbst wissen, dass er nicht das Opfer seines eigenen Bewusstsein und seiner Gedanken ist?

Wenn du ernsthaft meditieren möchtest, dann musst du damit beginnen, deine Motive zu überprüfen. Ansonsten treibt dich die ganze Zeit etwas an und du bist nicht wirklich still. Jeder Versuch still werden zu wollen, ist immer noch der Versuch etwas erreichen zu wollen. Das kostet Energie und am Ende deiner Meditation bist du erschöpft. Du verschwendest deine Energie und lenkst sie vor allem in die falsche Richtung. Schau dir erst mal das Motiv an, weshalb du überhaupt still sein möchtest. Schau dir an wie du für das eine kämpfst um das andere los werden zu wollen. Schau dir erst mal an, was du beseitigen möchtest und warum. Wenn du das tust und erkannt hast was dich bewegt, dann bist du bereits am meditieren.

Dieser Zwischenzustand von Akzeptanz dessen was ist, ohne das Motive etwas Neues bekommen zu wollen, ist Meditation. Sie hat kein Ziel und geht in keine Richtung. Auch wenn das verrückt klingt, denn normalerweise möchte man ein Ziel haben und etwas erreichen wollen, aber das ist es eben worüber wir gerade sprechen. Es springt am Ende nichts für „dich“ dabei raus! Gar nichts. Es gibt keinen Wunsch, kein Verlangen, kein Gewinn. Es ist, wie es ist. Selbst deine Probleme lösen sich nicht, denn es niemand da, der ein Problem lösen möchte. Du hast das Problem mit deinen Ansichten und Meinungen geschaffen und nun möchtest du es gern wieder ändern. Möchtest es gern wieder andersherum haben. Du überzeugst andere, munterst sie auf, nur weil du glaubst jetzt sei es richtig. Verstehst du, wer diese „Ich“ ist? Wie begrenzt es ist? Aus sich selbst bezogen. Kannst du dich selbst beobachten? Deine Motivationen, deine Beweggründe, dein Verlangen, das Verdrängen und immer wieder mehr sein zu wollen? Wenn du das siehst, dann kannst du auch die Stille erkennen, die in diesem Beobachten liegt, in der es in keine Richtung geht. Nur beobachten. Einfach sein. Hier beginnt Meditation.

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