„Entspann dich“, „Bleib ruhig“, das sind immer gut gemeinte Worte, aber ist es tatsächlich möglich, sich in einer Stresssituation zu beruhigen? Wie kann man Entspannung erreichen ohne dass es in Stress ausartet?

Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist nicht möglich! Wie will man sich beruhigen, wenn man auf hundertachtzig ist? Da helfen die besten Techniken nichts. Da kann man so viel atmen wie man will, wirklich helfen wird in einer unentspannten Situation nichts. Was will man tun, man ist kurz vorm ausrasten und kann sich einfach nicht zurück halten. Die Welt bricht über einem zusammen und man soll sich beruhigen? Das ist unmöglich. Wir sind Menschen und keine Maschinen. Aber wir haben ein Bewusstsein und können Abstand von den eigenen Emotionen nehmen. Wir haben eine Wahl.

Jedem sollte jedoch klar sein, dass wenn man ausrastet, dass man aus seiner eigenen Wut heraus niemand anderen verletzt! Auch wenn der andere scheinbar die Schuld an dem Wutausbruch hat; Die Wut findet in dir statt und nicht in dem anderen! Niemand anderer muss persönlich verletzt werden oder für schuldig gesprochen werden nur weil man glaubt dass er jetzt eine Abrechnung bekommen sollte. Der andere ist immer nur ein Auslöser für das, was sowieso schon in dir schlummert. Er ist wie der Streichholz, der das Feuer entzündet. Im Grunde hat man schon auf die Situation gewartet um endlich mal Dampf ablassen zu können. Manche Autofahrer warten regelrecht auf eine Situation um mal zu zeigen was sie drauf haben. Sie geben extra Gas, wenn jemand über die Straße geht. Sie bleiben konstant auf der rechten Spur um mal zu zeigen dass es Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt. Mit anderen Worten, sie alle wollen der Anspannung mal Entspannung verleihen.

Der ganze angesammelte Ärger kann jetzt mal raus. Endlich bekommt man einen Anlass und der andere ist ein Mittel zum Zweck geworden. Er wird jetzt all das abbekommen, was ich schon immer loswerden wollte. All mein Zorn, all mein unglücklich sein, all die Angst, all die Trauer. Endlich bist du gekommen und ich kann mich mal auslassen. Jetzt bin ich stark und du bist schwach. Sonst war ich immer schwach und nun zeige ich dir mal dass du schwach bist. Ein ganz toller Machtkampf entsteht….

Aber bitte nicht auf Kosten eines anderen. Vielmehr sollte man dankbar sein, das der andere dir diese tiefe Schlucht gezeigt hat. Er hat Licht in deine dunkelste Ecke gebracht. Ohne den anderen würden wir diese dunklen Stellen niemals finden und wir würden niemals verstehen, warum wir so mies gelaunt sind oder warum wir einfach nicht glücklich werden können. Es geht darum sich dieser dunklen Stellen bewusst zu werden. Es geht darum zu wachsen! Es ärgert jeden dass man nicht einfach glücklich sein kann. Jeder fragt sich, was ist nur los, dass man immer unglücklich ist. Und eben das ist los; da steckt eine tiefe Unruhe in einem, ein tiefes unglücklich sein, eine tiefe Verspannung.

Zuerst einmal muss man verstehen, dass jedes Bemühen eine weitere Anstrengung verursacht. Immer wenn ich etwas erreichen möchte, glaube ich etwas unternehmen zu müssen. Das bedeutet, ich kann die Situation wie sie ist nicht akzeptieren und ich möchte gerne eine Veränderung. Druck erzeugt Gegendruck. Der Autofahrer sucht die Situation. Er will die Herausforderung.

Dieses Bemühen ist nichts anderes wie ein weiteres drauf packen auf die sowieso schon unentspannte Situation. Ich bin gestresst und glaube, dass es nicht so sein sollte. Ich verurteile mich erst einmal selbst. Stress ist schlecht und ich muss mich entspannen. Also versuche ich mich zu entspannen. Ich unternehme etwas und versuche es zu ändern. Ich nehme den Stress als Mittel um nach Entspannung zu suchen. Anspannung ist schlecht und Entspannung ist gut! Ich arbeite also gegen den Stress indem ich versuche etwas anderes zu erreichen, nämlich Entspannung. Ich krame alle meine Erfahrung aus, gehe alles durch was ich je über Entspannung gelesen und gelernt habe, ich lenke mich ab und versuche es anzuwenden. Das führt aber nur zu einer weiteren Anspannung, denn eigentlich weiß ich, dass es nur kurzfristig helfen wird. Die Entspannung ist kurz und die Unzufriedenheit wird bleiben.

Um aus einer Anspannung heraus, Entspannung zu erreichen, muss man schon sehr geübt sein. Selbst dann besteht die Gefahr, dass ich die Anspannung nur unterdrücke. Sie mag für diesen Moment weg sein und ich habe mich beruhigt, aber was passiert in der nächsten Situation? Und wie wir oben gelesen haben, wird ein nettes Wesen so freundlich sein und uns wieder genau auf diese  unterdrückte Seite aufmerksam machen J Wir werden wieder reagieren und vielleicht wieder überreagieren. Oder zumindest werden wir wieder unzufrieden sein, weil wieder Anspannung entstanden ist und wir wieder nicht cool geblieben sind. Ich glaube hier wird deutlich, dass allein unser Glaube daran, dass es keine Anspannung geben sollte, eben diese diese Anspannung erzeugt! Sie ist die Anspannung!

In meinen Kursen habe ich die Erfahrung gemacht, dass eigentlich immer Menschen zu mir kommen, die bereits eine Stresssituation hinter sich haben. Das bedeutet es kommt niemand zu mir, der gerade mittendrin steckt. Eigentlich erwartet man ja gerade dann, dass eine Unterstützung sinnvoll wäre.

Aber wie wir eben gelesen haben, steckt man mitten drin und man kann einfach keinen Rat oder gute Vorschläge annehmen. Daher kommen meist relativ „entspannte“ Menschen zu mir. Sie möchten jedoch gerne zukünftige Anspannungen vermeiden. Sie kennen sich und sie wissen was es mit ihnen macht, wenn sie angespannt und gestresst sind. Sie wollen vorbeugen und lernen entspannt zu bleiben. Viel wichtiger ist aber, dass sie für diesen Moment einen Abstand zu der Anspannung gewonnen haben. Sie sind nicht damit identifiziert.

Mir bleibt also nicht viel mehr, als Sie erst einmal von der Illusion zu befreien, das man immer nur Entspannt sein muss oder sollte. Und das es wichtig ist, den Abstand aufrecht zu erhalten und ichn sogar wachsen zu lassen. Man kann lernen angemessen zu reagieren und einen Abstand zu seinen eigenen Emotionen zu halten.

Mein Angebot:

Zum einen biete ich Ihnen verschieden Meditationsübungen die zum Teil sehr anstrengend sein können. Oder gezielte Atemübungen die einen wirklich aus der Puste bringen. Manchmal stelle ich auch gezielt Fragen und man muss sich „alte und ungelöste“ Situationen nochmal anschauen. Aber genau diese Situationen stärken einen. Es ist anstrengend, aber irgendwie geht es doch. Es nervt einen, man will weg und ganz woanders sein, aber dennoch schafft man es. Bei jedem Mal hält man ein bisschen länger durch. Manchmal sind es nur ein paar Sekunden, irgendwann ist es eine Minute. Manchmal tut einem alles weh und es tauchen Gefühle auf, die man eigentlich vermeiden wollte. Aber genau diese Erfahrungen, machen einen so stark. Man wächst von Situation zu Situation!

Das alles machen wir ohne Anstrengung, ohne ein Müssen. Vielleicht machen wir auch eine Tiefentspannung, eine Traumreise oder eine Phantasiereise. Aber alles geschieht weil es einfach gerade so geschieht. Nichts wird verändert. Wir bleiben einfach nur da und schauen uns die Situation an. Nichts wird geändert, nichts wird verurteilt. Keine Beurteilung, kein Müssen, kein Soll und kein Aber. Einfach nur präsent sein und beobachten. Ohne Druck, ohne Stress. Nichts muss. Alles darf so geschehen wie es gerade ist.

Wir schauen uns gemeinsam die Anspannung an und lassen sie da sein. Nichts muss geändert werden. Sie darf so sein wie sie ist. Und irgendwann erkennen wir, dass sie nichts weiter als ein kleines Aufbäumen war. Wir erkennen, dass wir aus einer Mücke einen Elefanten gemacht haben und dass in Wahrheit gar nichts so schlimm war, wie wir es die ganze Zeit glaubten. Wir erkennen, dass unser „verändern wollen“ die Situation nur noch verschärft hat. Wir erkennen, dass wir im innersten eigentlich schon immer ganz ruhig waren. Das wir eine Geschichte aufgebaut haben, damit wir nicht verletzt werden. Das wir nur versucht haben uns zu schützen. Das wir eigentlich ganz unschuldig sind und Angst haben das man uns weh tut. Wir bekommen ein tiefes Verständnis für den zarten Kern in uns. Wir fangen an unsere Sensibilität zu verstehen. Wir fangen an uns selbst zu erkennen und zu entspannen. Alles fällt von einem ab. Die Anspannung war eine Illusion, wie ein Sturm der vorüber zog und an den wir uns geklammert haben. Wir erkennen unser wahres Wesen und können in diesem Wissen und mit diesem zarten Wesen entspannen. Ein Frieden, eine Seligkeit überkommt uns. Wir werden entspannt, ohne dass wir etwas dazu getan haben. Es geschieht einfach. Entspannung ist nichts das man erreichen müsste. Entspannung ist einfach da. Entspannung ist unser natürlicher Zustand.

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