Kann es sein, dass wir in dem Glauben sind, dass man immer nur erfolgreich sein muss? Das alles immer gut sein muss? Dass es eine Welt geben wird, in der ewiger Frieden herrscht? Sind wir nicht dabei, das ewige Licht, das ewige Glück, die ewig gute Beziehung, den ewigen Erfolg, die ewig gesunde Umwelt und den ewig gesunden Körper zu suchen. Wollen wir nicht alle in einer Welt leben, die einfach nur gut ist?

Wie sehr bemühen wir uns nach dem Guten zu streben, nach Liebe und Glück? Und wie anstrengend ist es, dass immer wieder zu tun? Wie sehr versuchen wir das Pendel in eine Richtung zu bewegen und wie doll kämpfen wir dagegen an, das „Schlechte“ zu vermeiden?

Es scheint ein natürlicher Instinkt des Menschen zu sein, nach dem ewigen Glück zu suchen. Viele Heilige haben jahrelang meditiert und sich in die Einsamkeit zurück gezogen. Sie haben sich jeder Begegnung entzogen und sich einen Raum geschaffen, in dem ihr Glück unantastbar wurde.

Aber war das nicht nur ein Rückzug in eine abgeschottete isoliert eigene Welt ohne Konfrontation? Wollte nicht bereits Hitler alles Unheil vernichten und sich eine Welt zu schaffen, die nur von Gutem regiert wird. Wurden nicht tausende von Menschen getötet, die nicht in das Bild des ewigen Glücks passten? Versuchen wir nicht heute noch, für immer erfolgreich zu sein, für immer gesund zu sein? Bekämpfen wir dafür nicht jede Krankheit, jeden Misserfolg, mit allem was uns zur Verfügung steht?

Verlassen wir nicht immer wieder Beziehungen die uns nicht gut tun? Kündigen immer wieder unseren Arbeitsplatz, weil es noch immer nicht die richtige Arbeit ist, die uns glücklich macht? Sind wir wirklich besser als unsere Vorfahren? Oder wirkt sich der Kampf nur anders aus? Wie sehr kämpfen wir jeden Tag für etwas, dass wir uns vorstellen? Wie sehr wollen wir alles Unheil, jeden Misserfolg, jede Krankheit aus dieser Welt schaffen und uns ein Paradies schaffen, dass unantastbar bleibt? Wollen wir nicht die Kontrolle über das Glück behalten und können nur schwer akzeptieren, dass es auch eine andere Seite gibt? Bekämpfen wir nicht mit äußerster Härte, das Schlecht und Böse?

Es ist doch verrückt wie sehr wir uns immer wieder bemühen. Nicht nur jeder für sich, sondern auch in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Fast immer scheint das Ziel eine heile Welt zu sein. Wir tuen das seit Jahrhunderten und glauben nun einen Punkt in Aussicht zu haben, wo wir es geschafft haben. Wo wir das Böse besiegt haben und die Helden sind, die sich endlich mal ausruhen können. Jeder wartet auf diesen Punkt und möchte sich endlich ausruhen.

Aber wo ist diese Welt? Kann es möglich sein, dass um uns herum immer alles in Frieden ist? Wer will das wirklich und wer hat die Kraft diese Welt und diesen Frieden aufrecht zu erhalten. Es sind unendlich viele Bemühungen auf jeden einzelnen Kontinent, in jedem Land, in jeder Stadt und in jedem Dorf nötig, damit dies aufrecht erhalten werden kann. Alles müsste kontrolliert werden, immer mehr und immer wieder. Schlimmer noch, es müsste einen geben, der bestimmt was richtig, gut, schlecht und falsch ist.

Es ist kein Wunder, dass die meisten Menschen erschöpft sind Burn- Out haben oder einfach krank werden.

Die heile Welt kann nicht äußerlich sein. Sie kann zu erst einmal nur jedem Selbst sein. Nur du kannst eine Welt schaffen,  in der Schwarz und Weiß zusammen gehören. Eine Welt wo Erfolg und Misserfolg zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Wo Frieden und Krieg einfach zwei Polaritäten sind. Wo kann es Frieden geben, wenn nicht in einem Land wo es Krieg gibt. Ohne den Gedanken an Krieg, gibt es keinen Frieden. Ohne den Gedanken an eine friedvolle und glückliche Beziehung, gibt es keinen Kampf um darum. Die Beziehung ist dann wie sie ist. Wenn wir immer weiter nach dem Glück suchen, werden wir immer mehr unser Unglücklich sein bekämpfen müssen. Und je mehr man den Baum beschneidet umso mehr wächst er! Wenn du nach deinem Unglück in der Vergangenheit suchst, wirst du natürlicherweise immer mehr finden. Am Ende wirst du finden, dass dein ganzes Leben ein reinstes Unglücklich sein ist. Warum? Weil du nach dem Glück suchst und es vor lauter suchen gar nicht mehr siehst.

Was kann man also tun? Erkenne, dass beide Seiten schon immer dazugehörten und dass es auch immer so bleiben wird. Ohne die Sonne kann es keinen Schatten geben. Ohne die Abwesenheit von Licht, kann man nicht sagen, dass es dunkel ist. Ohne Misserfolg kann niemand behaupten dass er Erfolgreich ist. Das eine gehört zum anderen einfach dazu. Wir könnten gar nicht mehr von einer guten oder schlechten Beziehung sprechen, weil eine Beziehung einfach ist, wie sie ist. Beides gehört zu einer Beziehung dazu. Eine Beziehung kann nur stattfinden, wenn ich mich in Beziehung zu etwas fühle. Meist vergleichen wir dann diese Gefühle. Alleine fühle ich mich so und in Gegenwart des anderen fühle ich mich so. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der überhaupt nicht bewertet werden muss. Es ist viel sinnvoller, diese Veränderung zu erkennen, anstatt sie zu verurteilen. Das zeigt einem doch einfach nur auf, wie vielfältig die eigene Wahrnehmung ist. Das ist der reinste Wohlstand an Gefühlen und Wahrnehmungen. Der Kampf und das Festhalten an einer Sache, das macht es so schwer. Warum? Weil wir gegen die Natur arbeiten und lieber immer nur das Gute möchten.

Aber das Gute steckt in einem Selbst. Es steckt in dem, der sich beider Dinge bewusst ist und einfach ruhig im Hintergrund bleibt, ohne eine Richtung zu bevorzugen. Das Glück ist bereist da, aber wir sind so Konditioniert wurden, dass wir alles Böse bekämpfen müssen.

Eine Krankheit besiegt man nicht weil man sie bekämpft. Eine Krankheit besiegt man, weil man sie akzeptiert. Wo kein Widerstand ist, gibt es nicht zu kämpfen. Wer will den noch gegen wen kämpfen, wenn gar keiner da ist, der sich damit beschäftigt?  Die Beziehung wird einseitig und es gibt keinen Gegenpart, gegen den ich kämpfen müsste. Das bedeutet, wenn ich meine innere Einstellung ändere und einfach den Kampf aufgebe, dann kann sich ein Problem von ganz alleine lösen. Natürlich muss ich die Kontrolle loslassen. Aber vielleicht hat genau diese Kontrolle, dass verirren in eine geglaubt richtige und einzige Richtung, das Problem verursacht. Vielleicht löst sich das Problem aber auch nicht, aber zumindest kämpfe ich innerlich nicht mehr.

Allein dadurch habe ich eine große Last verloren. Ich habe losgelassen und bin in einem tiefen inneren Frieden Ich kann die Dinge so lassen wie sie sind. Ich laufe nichts und niemanden mehr hinterher und bemühe mich nicht wie wahnsinnig. Ich bin dann einfach wie ich bin. Natürlich erledigt man noch Sachen und erfüllt Aufgaben. Aber das alles ohne mit sich zu kämpfen. Ich muss das Schlecht nicht mehr besiegen und mich auch nicht mehr um eine friedvolle Welt bemühen, weil die Welt in mir in Frieden ist. Der Frieden ist in mir. Man hat Frieden mit sich selbst. Wer sollte dagegen etwas tun?

Wenn ich erst einmal in Frieden mit mir selbst bin, wie kann die Welt um mich herum dann noch kämpferisch sein? Sie kann es nicht. Im Gegenteil, man kann immer mehr erkennen, wie die Welt da draußen am kämpfen ist. Ich betrachte es mit meiner tiefen Gelassenheit, weil ich akzeptiere was ist und ich betrachte es von einer entspannten Position aus. Alles um mich herum bewegt sich. Manche versuchen wie wild etwas hinterher zu rennen. Der andere kämpft um eine Position, in der er sich selbst schon lange nicht mehr wohl fühlt. Ein andere fühlt sich nur gut, wenn er viel besitzt. Jeder glaubt an dies oder das. Aber ich bin ganz entspannt, nehme was kommt und erledige, was zu tun ist. Kein Hintergedanke, einfach so- in Ruhe und Gelassenheit.

Diese innere Ruhe wirkt sich auf dein Gegenüber aus. Er kann nicht leugnen, dass sich in dir etwas verändert hat. Er spürt diesen Frieden. Er wird ihn suchen und er wird ihn ebenfalls in sich finden.

Kann es also sein, dass wir in dem Glauben sind, dass man immer nur Erfolgreich sein muss? Ja, wir sind in dem Glauben und das führt zu einem Kampf, in nur eine Richtung. Immer weiter nach vorne. Immer mehr von allem und das mit immer stärkeren Mitteln. Noch disziplinierter, noch intensiver. Was hast du nicht schon alles getan? Und was wirst du noch alles tun??? Wie weit willst du gehen?

Lass einfach los und akzeptieren die Situation so wie sie ist. Du bist doch schon längst da. Dein innerer Friede ist das wichtigste überhaupt. Wenn du nicht in Frieden mit dir Selbst bist, wer denn dann? Lass die anderen beiseite und bleib bei dir. Geh in die Stille, widme dich deiner Meditation und erkenne, dass aller Irrsinn nur in deinen Gedanken stattfindet.

Heute macht man so viel Aufregung um dies und morgen um das. Hast du dich jemals um deinen Atem kümmern müssen? Musstest du jemals nachts aufwachen und dich daran erinnern zu atmen? Hast du im tiefen Schlaf jemals über ein Problem nachgedacht? Ist das Problem nicht zur gleichen Zeit mit dem Erwachen deines Geistes entstanden. Wo war es vorher? Warum ist es jetzt, wo du wach bist da und wo wird es heute Abend in deinem tiefen Schlaf wieder sein?

Erkennst du, wie die Dinge kommen und gehen. Andauernd ist irgendwas in Bewegung. Es passiert von ganz allein. Es ist nicht mal dein verursachen. Es geschieht einfach. Genau wie das Atmen. Es geschieht dir und du kannst es beobachten. Genauso ist es mit den Gedanken. Beobachte sie doch zunächst einmal, ohne dich darum zu bemühen. Oder ohne auf sie zu reagieren. Sie sind sowieso immer die gleichen. Beobachte einmal die Hauptthemen deiner Gedanken. Mache eine List mit Oberbegriffen. Du wirst sehen, dass es immer das gleiche ist. Schon seit Jahren!!

Und du hast dich immer wieder damit beschäftigt. Immer wieder von neuem.

Vergiss sie einfach. Werde wach und halte zugleich innerlich den Zustand des Schlafes. Das ist Meditation. Du bist hellwach, aber innerlich ruhig und gelassen. Du schläfst nicht, und dennoch könnte man glauben du bewegst dich nicht. Du bist wacher wie alle anderen, aber du tust nichts. Du wirst reagieren, du wirst handeln, aber nur dann, wenn es erforderlich ist. Wenn es überhaupt mal erforderlich sein wird.

Meditation hat nichts mit faul sein oder zurück gezogen leben zu tun. Meditation ist wach und präsent sein. Jederzeit bereit in Aktion zu treten. Ein Meditierender beschäftigt sich nicht mit unnötigen Gedanken. Er hat sie, natürlich das hat jeder, aber er reagiert nicht auf jeden Gedanken.

Er hat erkannt, dass sie in ihm stattfinden, aber noch lange nichts mit ihm zu tun haben müssen. Sie sind da, das sind sie immer. Aber er greift nicht jeden auf und unternimmt gleich etwas. Er ist hellwach. Im wahrsten Sinne des Wortes. Einfach nur wach und sich seiner Selbst, mit allem was passiert, stets bewusst.

Kann es sein, dass wir in dem Glauben sind, dass immer alles Gut und Schön sein muss? Oder dürfen die Dinge auch mal so sein, wie sie sind?

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