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Meditation und der eigene Standpunkt

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Meditation und der eigene Standpunkt

Unser Geist hat viele Strategien entwickelt, die uns regelmäßig das Leben schwer machen. Eine dieser Strategie ist zum Beispiel, die aggressive Verteidigung eines Standpunktes den wir eingenommen haben und nur sehr ungern wieder aufgeben. Die Gründe mögen unterschiedlich sein und wir sind uns in solchen Situationen bestimmt auch ganz sicher, dass wir in Beziehung zu Anderen Recht damit haben. Aber mit etwas Weitblick und einiger Erfahrungen erkennen wir oftmals, dass uns mit Geduld, einiges an Energieaufwand erspart geblieben wäre. Hätten wir die Ruhe bewahrt, dann müssten wir uns jetzt nicht mit dem korrigieren unseres Fehlverhaltens, aufgrund von schädlichen Reaktionen wie Wut und Ärger, die übrigens alle in die Kategorie der Gewalt gehören, beschäftigen. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Standpunkt grundlegend aufgeben müssen. Aber mit etwas mehr Mitgefühl gesprochene Worte klingen schon ganz anders, wie eine harte Ansprache die einen anderen gegen die Wand redet und dessen Gefühle wir einfach mit unserer gewaltigen Emotionen niederdrücken. Viele Menschen wissen diese Macht bewusst einzusetzen. Doch der Mangel an Mitgefühl für den anderen in solch einer Situation, kann auf ein fehlendes Verständnis für die eigenen Bedürfnisse nach Gerechtigkeit hin deuten. Wenn wir uns unserer eigenen Gefühle tatsächlich bewusst wären, dann würden wir niemand etwas erfahren lassen, was wir selbst auch nicht erfahren wollen. Wir würden Entscheidungen treffen und eine Handlungsweise ausüben, die für das eigene Wohl und das des anderen sorgt. Eventuell würden wir sogar kurz von uns selbst zurücktreten, um den anderen wieder Raum zu lassen. Das erfordert eine gesunde Selbstsicherheit und einen sehr klaren Kopf, vor allem aber eine gesunde Beziehung zu den Gefühlen die alle Menschen gleich erleben. Es sind ja nicht nur deine oder meine Gefühle, sondern die Gefühle des Mensch-sein überhaupt. Da wir alle Menschen sind, empfinden wir alle das gleiche. Nur die Intensität und der Umgang damit mögen unterschiedlich sein. Aber im Großen und Ganzen sind wir die Menschheit, die Gefühle und Emotionen in unterschiedlicher Intensität erfährt.

Eine Abkapselung als Strategie des Geistes, der sehr von sich eingenommen ist und an seine Alleinherrschaft glaubt, trennt dich von dem anderen und dessen Gefühle und du fängst an, erst deinen Standpunkt und dann dich selbst als Person zu verteidigen.  Die Verbindung wird unterbrochen und aus dieser Trennung heraus, die Angst hervor ruft, entsteht das Gefühl der Absicherung eines Standpunktes. Es entstehen Emotionen wie Wut und Zorn, die jetzt nur noch dafür dienen, sich vor Verletzung und Angriff schützen zu wollen. Wenn wir nur Dinge nachquaken oder von Dingen sprechen die wir selbst nie erfahren haben, dann ist es ganz natürlich, dass man sich Unsicher fühlt. Und da wir uns mit dem identifizieren, was man uns gesagt oder beigebracht hat, fühlen wir uns unsicher, wenn das in Frage gestellt wird. Das Gefühl der Unsicherheit ist im Grunde genommen ein gutes Zeichen dafür, dass man besser mal kurz still ist. So kann man die Unsicherheit nutzen um sich Sicherheit zu verschaffen.

Wenn wir mal ganz genau hinschauen, dann will niemand von uns wirklich wütend oder zornig auf den anderen sein. Wir benutzen die Angst und den Zorn nur, um unsere wirklichen Gefühle zu verbergen. Eigentlich wollen wir alle Gerechtigkeit erfahren. Das drückt allein schon, die in uns allen vorhandene Zuversicht aus. Auf was blickt man denn Zuversichtlich? Natürlich auf das Gute, was uns wiederfahren soll. Wir haben Hoffnung und wollen ein glückliches Leben führen. Darauf arbeiten wir doch alle irgendwie hin. Jeder mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten und Talenten.

Der Ausdruck der Wut und des Zorns schottet uns jedoch von dem anderen ab und wir fördern damiBeim Meditation and Friends Retreat 2011 im Pauenhof fotografiertt sogar noch die Trennung. Unser Geist hat uns dazu verleitet einen Standpunkt aufrecht zu erhalten, der für Enge statt für Offenheit sorgt. Wir folgen unbewusst einem Geisteszustand, der sehr klein und begrenzt ist. Wir setzen uns mit diesem engen Teil des Geistes gleich und landen in einer Sackgasse. Wir haben uns mit dem Geist und seinen Vorstellungen identifiziert und fühlen uns nun klein, nur weil ein anderer kein Verständnis für unseren Standpunkt hatte. Wie gemein…für das Ego!

Manch jemand versucht an diesem Punkt auch noch andere mit auf seine Seite zu holen und zieht andere mit in seine Ansichten hinein. Eine ganze Kette von Reaktionen kann gestartet werden und sehr viel dicke Luft verbreiten. Egal um welchen Standpunkt es sich handelt! Da wir uns mit den Ansichten unseres Geistes gleichsetzen, fühlen wir uns persönlich angegriffen. Nur weil jemand nicht unserer Meinung ist und wir unsicher sind, weil wir über etwas gesprochen haben, was wir selbst vielleicht noch nie erfahren haben, setzen wir das mit der Aberkennung unserer ganzen Persönlichkeit gleich und versuchen uns als Person zu verteidigen.

Die Objektivität geht verloren und wenn so ein aufgewühlter Geist erst mal in Aktion ist, holt er gleich auch noch all die unverarbeiteten und aufgestauten Gedanken und Gefühle hoch, die sich jetzt zur vollen Pracht entfalten und endlich mal abgelassen werden können. Streit entsteht und je nach Intensität der Identifikation mit den Gedanken, kann das sehr unangenehm für alle Beteiligten werden.

Nach einer Weile geht so etwas meist wieder vorüber und wir merken, dass andere uns vielleicht doch nicht grundlegend schlecht gesinnt sind und wir doch gar nicht so kleinlich sein wollen, wie wir es uns eingebildet und verteidigt haben. Plötzlich können wir wieder Kontakt mit anderen aufnehmen und alles entspannt sich. Die Identifikation mit dem engen Geist löst sich langsam und wir öffnen uns wieder. Die Luft ist raus und man ist alles losgeworden. Eventuell haben wir zu grob gehandelt und fühlen uns nun schlecht. Wenn wir hier nun wieder aus Schuldgefühlen heraus handeln, haben wir noch nicht wirklich verstanden was passiert ist.

Wir verteidigen immer noch uns als Person, die sich mit einem Ideal identifiziert hat und angegriffen wurde. Ich möchte nochmal deutlich machen, dass es hier nicht darum geht, dass jemand den Kopf hin hält, wenn jemand mit einer Waffe vor ihm steht und abdrücken möchte. Wir sprechen darüber, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass jemand eine Waffe in die Hand nimmt und jemand anderen verletzen oder sogar töten würde. Das Opfer braucht in einem solchen Fall einen sehr klaren Kopf, um die Situation einschätzen und entsprechend reagieren zu können und der Täter bräuchte einen klaren Kopf, um zu erkennen was da gerade mit ihm geschieht. Wenn du Aufmerksam bist, dann erkennst du das Übel an der Wurzel, nämlich in einem unkontrollierten Geist der einen zum Wahnsinn treibt.

Wenn wir an einem unbewussten Punkt der Aggression stehen, besteht die Gefahr, dass es zu einer Gewohnheit wird, immer so zu reagieren, weil wir uns anschließend ja irgendwie gut fühlen. Alles ist mal raus und ich habe mich positioniert. Wie gesagt, manchmal ist das sicher nötig, aber das kann man auch sehr nett mit viel Gefühl für sich und den anderen machen. Wenn ein anderer darauf dann nicht eingehen mag, dann hat man seine Position halt mitgeteilt und jeder kann nun selbst entscheiden, wie man weiter miteinander umgehen möchte. Ein gesunder Austausch findet statt.

Hier ist es wichtig zu erkennen, was tatsächlich passiert. Nicht die anderen sind jetzt, wo alles wieder friedlicher geworden ist, netter geworden oder akzeptieren mich jetzt mehr. Nein, ich habe von der Identifizierung mit dem begrenzten Geist losgelassen und das lässt mich jetzt erfahren, dass andere Menschen offener sind. Du erntest, was du säst! Ich habe meinen Standpunkt aufgegeben und bin offener geworden. Vorher haben sich meine Mitmenschen in meine aggressive Energie mit reinziehen lassen oder sind mir aus dem Weg gegangen und nun reagieren sie auch auf mich, aber sie reagieren nun auf meine friedliche Energie. Es ist daher äußerst wichtig, dass man selbst seinen eigene Geist beherrscht, weil der nicht nur einen selbst beeinflusst, sondern auch die Umgebung. Ein unruhiger Geist kann einen größeren Krieg hervorrufen, wie die stärksten Waffen.

Aber müssen die Dinge denn immer nach dem gleichen Schema ablaufen? Kann Frieden tatsächlich immer erst auf Krieg folgen? Müssen wir ständig aufpassen und beobachten? Gibt es nur „Eins“ und „Null“? Wie alt sind diese Muster schon und wie lange leben wir sie selbst in unserem Inneren schon? Wir ärgern uns über Unruhen im außen und benutzen die gleichen psychologischen Taktiken in uns selbst. Offensichtlich haben wir unseren Geist noch nicht für andere Möglichkeiten geöffnet. Oder gibt es doch nur diese eine Möglichkeit?

Natürlich nicht, es gibt unzählige andere Möglichkeiten. Im besten Fall konnten wir uns andere Reaktionen bei unseren Eltern abschauen oder waren anderen glücklichen Umständen ausgesetzt. Da andere Möglichkeiten aber nicht in der Normschule gelehrt werden, ist es den meisten Menschen vorenthalten anders reagieren zu lernen und von Natur aus friedlich zu handeln. Es gab für die meisten für uns keine Schule, wo wir den Umgang mit unseren Gefühlen gelernt haben oder wo uns über die Struktur des Geistes etwas beigebracht wurde. Heute gibt es Hundeschulen die uns das Verhalten des Hundes aufzeigen, aber das Verhalten der Menschen lehren uns nur wenige. Die meisten gehen in eine Hundeschule um den Geist des Hundes zu trainieren und vergessen dabei, ihren eigenen zu klären. Viele Menschen lernen das nur in einem intensiven Selbststudium, lesen eigenständig Bücher über das Wesen des Geistes oder ziehen sich in ein Retreat oder zu einem Klausurtag zurück oder schließen sich anderen Gruppen an, die bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet haben. Manche fühlen sich auch ohne das alles wohl und leben, um dann wieder sterben zu können. Das ist auch in Ordnung.

Wer aber seine Fähigkeiten nutzen und einsetzen möchte für den gibt es sehr viele Möglichkeiten um sie zu entfalten. Eine davon ist sicher die Meditation. Alle Antworten sind bereits in uns enthalten. Wir müssen nur still sein, um sie zu hören. Das meiste ergibt sich von sich aus, wir müssen den Dingen nur Raum lassen und nicht alles schon im Vorhinein eingrenzen und kontrollieren. Eine der Hauptübungen in der Meditation ist das praktizieren von Geduld. Geduldig sitzen, abwarten und nichts tun. Die Erhöhung der Kapazität des Nichts-tun in der Meditation, steigert deine Bereitschaft im Alltag gelassener zu sein. Und wenn du gelassener bist, dann haben deine wahren Gefühle und Bedürfnisse mehr Raum um sich zu zeigen. Die Intuition steigert sich und dein spontanes Handeln wird effektiver.

Durch dich möchte so einiges entstehen und sich ausdrücken, dass darf aber nicht gleich durch unser angelerntes reagieren regelrecht abgetötet werden. So oder so wird sich ein Gefühl in dir durchsetzen und das sinnvollste ist es, diesem einen Raum zu bieten, in dem es sich zeigen darf. Ein Raum, in dem du zunächst allein mit deinen Gefühlen bist. Wo du dich mit ihnen auseinaDSCF0116ndersetzen kannst. Sie kennenlernen darfst und wo du sie langsam in dein Bewusstsein aufsteigen lassen kannst ohne Angst haben zu müssen, dass darauf jemand rumtrampelt oder du allein damit bist. Solch ein Raum ist der Meditationsraum. Nicht nur der materielle Raum, sondern auch dein innerer meditativer Raum in dem du still bist und dein Innerstes erforscht und sich entwickeln lässt.

Du bist jeden Tag mit dir selbst zusammen und da wäre es äußerst sinnvoll zu wissen, wie du funktionierst. Nicht wie deine Organe funktionieren, die funktionieren eh oder auch nicht, dass unterliegt nicht deiner Kontrolle. Dein Herz schlägt auch nachts, wenn du schläfst und du atmest auch, wenn du nicht dran denkst. Aber dein Verhalten, deine Reaktionen, deine Ansichten, deine Meinungen, deine Kommentare, deine Emotionen, deine Gefühle, dein Bewusstsein, dein Unterbewusstsein, dein ganzes inneres Haus, jedes einzelne Zimmer vom Dach bis in den Keller, das bist du. Und du bist der einzige der jeden Tag darin wohnt und damit zusammen lebt. Ihr solltet ein gutes Verhältnis zueinander haben, euch verstehen und miteinander klar kommen. Nicht das da zwei in dir wären, aber mit dem was du bist, solltest du okay sein. Das lernst du in der Meditation, hauptsächlich in der Meditation, denn da hast du den Raum, um mir dir allein sein zu können. Der Meditationsraum ist so ausgelegt, dass du dich selbst fühlen kannst, selbst wahrnehmen kannst, selbst erfahren kannst. Diese Erfahrung ist einmalig. In der Stille mit sich selbst zu sein ist so herrlich, dass du nichts anderes mehr brauchst wie dich selbst. Sich selbst, in sich selbst wohl zu fühlen ist die größte Entspannung die es gibt. Die Meditation geht weit über die Entspannung hinaus. In der Meditation lassen wir die Entspannung sogar hinter uns, weil wir sie gar nicht mehr benötigen. Du brauchst nichts mehr zu entspannen, weil du gar nichts mehr anspannst. Du bist reines Gewahrsein. Einfach da sein, so wie jetzt. Still und ruhig. Du bist Meditation!

Anmerkung:

Wenn du dich nicht in irgendeiner Art mit Meditation befassen würdest oder Meditation bereits ein Teil von dir wäre, dann wärst du nicht auf Meditation aufmerksam geworden. Gleiches zieht gleiches an. Wenn du dich irgendwann mal für Motorräder interessieren solltest, dann würden dir ständig Motorräder begegnen. Achte einfach mal drauf. Das kann man ganz gut ausprobieren. Genauso begegnet dir die Meditation. Sie ist bereits ein Teil von dir, denn deine Aufmerksamkeit geht in diese Richtung. Scheu dich nicht, sie weiter auszubauen, ihr mehr Interesse zu schenken. Sie ist auf keinen Fall Zeitverschwendung, ganz im Gegenteil, sie schenkt dir Zeit.

In der Meditation lernst du Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und du lernst, dem Energie zu geben, was dir auch von Nutzen ist. Sei es in der Freundschaft, im Haushalt, auf der Arbeit oder im Denken. Unwichtiges und Unnützes wird aussortiert und keine Energie mehr gegeben. Dafür erhalten die Nützlichen Dinge mehr Energie und dein Leben wird harmonischer und du fühlst dich mehr im Einklang mit deinem eigenen Wesen. Diese Wissen und dieses Geschenk für sich allein behalten zu wollen, wäre Egoismus. Scheu dich nicht anderen Menschen mitzuteilen, dass du an dir selbst arbeitest und dass du deinen Geist erforschst. Teile offen mit, wenn du Ruhe und Abstand brauchst. Fordere die Zeit für dich ein und nimm dir jeden Tag Zeit für die Innenschau.

Du bist jeden Tag mit deinem Geist konfrontiert und es wäre sinnvoll ihn zu studieren, in einem Selbststudium das Meditation heißt. Widme diesem Teil auch jeden Tag etwas Aufmerksamkeit, genauso wie du dir die Zähne putzt. Der Kopf muss auch geklärt werden, der Gedanken müssen gereinigt werden, das Unterbewusstsein muss geleert werden, damit du klar denken und fühlen kannst.

Angestautes und aufgestautes nimmt zu viel Platz im Innersten ein, wenn es nicht regelmäßig geleert wird. Man läuft förmlich voll und dann läuft alles über. Es muss ja nicht viel sein. Regelmäßig 20-30 Minuten reichen völlig aus. Wenn du nicht alleine meditieren magst, dann biete ich mittlerweile fast täglich Kurse, oder Workshops am Wochenende an. Du kannst auch zu persönlichen Einzeltrainings kommen oder ich komm zu dir. Wir können übers Internet gemeinsam meditieren und du kannst dich jeden Tag durch Facebook, meinen Blog oder sonst was motivieren lassen und dich mit mir austauschen.

Verlier den Kopf nicht in täglichen routinierten Handlungen die dir zwar Geld bringen, dich aber die Gesundheit kosten. Ohne dich, keine Arbeit! Du stehst an erste Stelle. Wenn du nicht funktionierst, funktioniert vieles andere auch nicht. Ohne dein Bewusstsein, bleibt für viele Menschen einiges im Unbewussten. Öffne dein Bewusstsein und lass andere daran teilhaben!

Karsten Spaderna, September 2015Header Buddha Meditationsschule.eu

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Alleinsein und Meditation

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Alleinsein und Meditation 

Längere Zeit physisch mit anderen Menschen zusammen zu sein, zum Beispiel mit dem Partner, mit Arbeitskollegen, den Kindern, Kunden etc. , kann früher oder später eng und schwierig werden. Schnell kann man sich in Konflikte verstricken und überempfindlich reagieren. Achtsame Selbstbeobachtung und Einfühlung in die eigenen Bedürfnisse sind in Gesellschaft wesentlich schwieriger und oft sogar kaum möglich. Ohne Phasen des Alleinseins kommt einem der achtsame Zugang zu sich selbst abhanden.

Zeitweiliges Alleinsein ist also ein wichtiges Element zum inneren Wachstum. Um die Vielfalt der eigenen Bedürfnisse, Wahrnehmungen, Gedanken,- und Gewohnheitsmuster kennenzulernen bedarf es bewusster Phasen des Alleinseins, wie zum Beispiel bei der Meditation. Schon allein die Akzeptanz, sich selbst spüren zu wollen, kann viele Situationen entspannen. Je vertrauter man mit sich und seiner Innenwelt ist, desto leichter wird es einem fallen, sich in andere Menschen einzufühlen und dessen Bedürfnisse genauso zu akzeptieren wie die eigenen. Es ist der erste Schritt zu gesundem Mitgefühl.

Die größten Schwierigkeiten entstehen immer dann, wenn wir nur unsere persönlichen Interessen durchsetzen möchten. Das Ego bringt Erwartungen hervor und es entstehen Zuneigung und Abneigung. Wenn wir im Austausch mit anderen Menschen auf egoistische Ziele aus sind und wir uns nicht aus dem Griff des Egos befreien das an Forderungen festhält, dann wird der Mensch hinter unseren Urteilen und Forderungen verschwinden. Es besteht die Gefahr der Trennung und Abspaltung. Es passiert genau das, was wir uns eben nicht gewünscht haben. Wir verlieren die Aufmerksamkeit und hören dem anderen kaum noch zu. Jetzt zählt nur noch das eigene Ich und es entstehen Anspannung und Stress. In dieser zersplitterten Einsamkeit kann keine gesunde Kommunikation mehr stattfinden.

Im zeitweiligen Alleinsein, in der urteilsfreien und bejahenden Selbstbeobachtung und Selbsteinfühlung üben wir zunächst auf Deutungen und Veränderungswünsche zu verzichten. Wir beobachten so genau wie möglich, welche körperlichen Empfindungen, welche Gedanken, welche Reaktionen und welche Handlungstendenzen in uns selbst aktiv sind. Mit dem Verständnis über den eigenen inneren Prozess, mit der Akzeptanz der tausend Stimmen in uns, lernen wir alles zu akzeptieren, folgen später aber nicht mehr allem blind!

Wir fragen uns, ob unsere gewohnheitsmäßigen Handlungs,- und Verhaltensweisen zum gewünschten Ergebnis führen werden? Nachdem wir also beobachtet und akzeptiert haben was geschieht, können wir etwas verändern. Vorher waren wir unbewusst. Wussten über die eigenen Geschehnisse im Inneren nicht bescheid. Vielleicht haben wir ihnen bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Aber nun kennen wir sie und wir fangen an zu überprüfen, ob sie uns noch dienlich sind.

Eine innere Aufmerksamkeit entsteht, eine Art inneres wach werden, klar sehen und fühlen. Hellfühligkeit und Hellhören entwickeln sich. Das Bewusstsein wächst und zur gleichen Zeit schrumpft etwas anderes, was vorher viel zu viel Energie gezogen hat. Wir werden toleranter, offener und feinfühliger. Alles bewegt sich in eine andere, lichtvolle Richtung. Diese Aufmerksamkeit, dieses wach sein, ist eine Art von Intelligenz die sehr spannend ist. Sie ist ganz neutral, sie ist einfach da. Durch Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und unendlicher Geduld kommt sie zum Vorschein. Im Buddhismus ist es das Bild von der Lotusblume, die sich durch den Schlamm kämpft und plötzlich zur vollen Pracht auf der Oberfläche erblüht. Sie war die ganze Zeit existent, sie war nur auf dem Grund.

Diese Pracht ist auch in uns. Im Alleinsein, in der Meditation lassen wir dieser Pracht Zeit um an die Oberfläche zu kommen, um ins Bewusstsein zu gelangen. Dafür meditieren wir, sitzen so gut es geht in Stille, bringen die Gedanken zur Ruhe, öffnen unseren Geist und sind wachsam, aufmerksam und achtsam. Aufmerksam und wachsam. Ruhig, still und gewahr. Einfach nur gewahr. So wie jetzt, einfach nur still und aufmerksam. Es ist ganz nah. Genau jetzt 🙂 

Karsten Spaderna, www.meditationsschule.eu

www.meditationsschule.eu

Trennung aus meditativer Sicht.

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„TRENNUNG AUS MEDITATIVER SICHT“

von Karsten Spaderna.

Nach tausenden Jahren Evolution verhält sich die Menschheit noch immer so dumm, dass sie Kriege führt und untereinander tötet, weil sie sich von Religion und Länderei usw. trennen lässt. Könnte denn nicht in der Trennung selbst der Ursprung von Gewalt liegen? Liegt die Ursache der heutigen Gewalt nicht vielleicht in der damaligen Trennung von Ländern, in der Einteilung von Religionen oder Berufen. Sie diese Dinge nicht alle von Menschen geschaffen worden? Hat diese Vorgehensweise die Menschheit nicht immer mehr getrennt?

Die meisten unserer Probleme sind selbst verursacht. Niemand kommt als Hindu, Christ oder Buddhist auf die Welt. Jeder kommt als Mensch auf die Welt und lernt dann, was Hinduismus, das Christenum oder der Buddhismus ist. Bis dahin hat niemand gesagt, dass man sich damit identifizieren muss. Ebenso ist es mit der Staatsangehörigkeit. Niemand wird als Deutscher, Italiener oder Spanier geboren. Wir alle waren kleine Babys mit gewissen Charaktereigenschaften, aber unser Verstand war leer und wurde erst mit dem Verhalten der Eltern, der Schule, der Lehrer usw. gefüllt. Man wird in einem bestimmten Land geboren und lernt dann die Traditionen und Verhaltensweisen dieses Landes. Aber was hat das wirklich mit einem selbst zu tun? Es sind nur Traditionen oder Religionen. Es sind nur bestimmte Glaubensrichtungen oder Verhaltensweisen. Man kann sie sich aneignen oder nicht. Man kann Sympathisant werden oder alles mit Gleichmut betrachten. Man kann auf gewisse Umstände reagieren oder es als Erfahrung wahrnehmen und wieder gehen lassen. Es berührt das innerste Sein nicht einmal. Hätte uns jemand das Beobachten gelehrt, dann würde jeder noch immer er selbst sein, ganz unabhängig von Religion oder Staatsangehörigkeit. Jeder könnte den anderen so akzeptieren wie er ist.

Damals glaubt man, dass es besser sei Religionen zu schaffen oder Länder zu trennen. Nun kämpfen die Menschen wieder um ihre Freiheit und glauben heute vielleicht es besser zu wissen wie damals. Bis in weiter Zukunft wieder alles verändert wird, weil das heutige vielleicht auch nicht gut genug war. Alles dies sind Bewegungen und Handlungen. Ein ständiges Leben und Sterben. Man kann sich durchaus darin verlieren, wenn man auf eine dieser Veränderungen aufspringt. Für eine Zeit findet man dies oder jenes gut und dann fährt man mit dem anderen Zug. Ein ständiges hin und her und und eigentlich könnte man es als schönes Spiel betrachten, wenn man nicht so sehr mit seiner Persönlichkeit daran hängen würde. Die meisten probieren das ein oder andere aus um eben das wieder zu finden, was sie schon als kleines Kind waren- Sie selbst.

So gehen die meisten Leute von einen spirituellen Workshop oder Meister zum anderen. Sie werden zu spirituelle Touristen die von allem etwas ausprobieren und sich schon ganz im Suchen verloren haben. Ein einziger Blick mit etwas Abstand auf das eigene Verhalten lässt einen das schnell erkennen. Aber mit Abstand auf sich zu schauen, wie man das hätte damals schon machen können, ist für die meisten, dessen Geist bereits festgefahren ist kaum möglich.

Wenn man auf sein Land, seine Religion, seinen Verein oder seinen Job fokussiert ist, dann hat man keinen Abstand mehr zum Rest der Menschheit. Es löst das Gefühl des Besonderen aus und lässt einen den anderen ganz vergessen. Jemand mag jahrelang geackert haben um in die Position des Managers zu kommen- …all die Lernerei, all der Stress, da braucht einer einem gar nicht blöd zu kommen, das war ja schließlich nicht alles umsonst…. Er glaubt nun das Recht zu haben, es besser zu wissen als der ungelernte kleine Postjunge. Auch hier schafft die Trennung die Probleme. Das Festhalten und Recht haben wollen, lässt einen ganz vergessen, dass wir alle einfach nur Menschen sind. Wir sind die Menschheit und machen eine Erfahrung als Mensch. Diese können wunderschön oder chaotisch und problematisch sein. Sie werden sich täglich ändern, da es eine Fülle auf dieser Welt gibt, die ein einziges kleines Menschengehirn gar nicht erfassen kann, weil es sich viel zu sehr mit seinem eigenen kleinen Ich beschäftigt ist. Dies ist ebenfalls eine Trennung die durch das eigene Verhalten und die eigene Gedankenstruktur aufgebaut wurde. Die Beziehung zu einem Parnter engt einen im gewissen Sinne ebenfalls ein, wenn wir uns nur noch auf den oder die Partner/in konzentrieren. Die Beziehung kann wunderschön sein oder problematisch werden, wenn man erkennt, dass die Fokussierung zu eng wurde. Durch das psychologische Festlegen auf eine Person, hat man sich im Verborgenen vorgenommen, andere auszuschließen. Dies liegt nicht im Sinne der gewünschten Erfahrungen und schließt die Fülle des Lebens aus. Gegen diese kann man sich gar nicht wehren, weil sie sich ständig erneuert. Ein Leben und Sterben, jeden Moment.

In der Meditation versuchen wir diese Strukturen zu erkennen und über sie hinaus zu gehen. Es ist nicht mal ein drüber hinaus gehen wollen, sondern vielmehr ein erkennen, dass der Geist nun mal so funktioniert. Der Geist selbst wird nie die Erfahrung machen können, die dein Sein in der Meditation erfährt.

Da du der Beobachter deines Geistes wirst, erkennst du seine Begrenzungen und somit erkennst du die Freiheit hinter deinen Gedanken. Unsere Gedanken werden immer in der Begrenztheit des gelernten, des erfahrenen oder des angesammelten reagieren. Wir reagieren meist aus der Vergangenheit heraus. Die meisten unserer Handlungen haben wir schon tausendmal  wiederholt. Jeden Tag die gleich Platte. In der Meditation erfahren wir diese Begrenztheit und akzeptieren sie als Teil unseres Menschseins. Dies lässt uns friedlich und liebevoll werden. Es nimmt uns die Ernsthaftigkeit und die Anstrengung. Es lässt uns einen Freiraum erkennen in dem wir uns aufhalten können und von dem aus wir betrachten können ohne involviert zu sein.

Meditation ist… Freisein.

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