Von Karsten Spaderna, www.meditationsschule.eu

Wenn du dir Zeit nimmst, um deinen Verstand zu beobachten, wirst du feststellen, dass er einen kontinuierlichen Strom von zusammenhangslosen Gedanken erzeugt, die für gewöhnlich negativer Art sind und sich ständig wiederholen. Es ist das unkontrollierte Gerede mit sich selbst, dass im eigenen Inneren stattfindet. In den meisten Fällen sprechen wir mit anderen Menschen nicht so kritisch, wie mit uns selbst (Selbstkritik). Die Selbstachtung uns gegenüber, ist wesentlich geringer, wie die Achtung anderen Personen gegenüber. Anderen Personen lassen wir eine Pause, aber in unserem Inneren geht das Gerede kontinuierlich weiter. Tatsächlich wirkt die Konversation mit anderen irgendwie befreiend, weil die Aufmerksamkeit nicht auf das eigene innere Gerede gerichtet ist. Wir müssen zuhören und still sein, um erfahren zu können, was der Andere sagt und ob er oder sie uns wirklich zuhört. Aber selbst diese stille Aufmerksamkeit ist für manche undenkbar, weil in ihnen ein Tollhaus ist, in dem es gedanklich zugeht wie auf einem Rummelplatz.  Ein Zustand „stillen Seins“ wird mit allen Mitteln vermieden, damit man sich dieses Getümmel nicht anhören muss.  Allein der Gedanke an Stille, bereitet so manchen Sorgen.

Probier mal folgende kleine Übung aus:

Halte Papier und Stift bereit. Setzt dich ruhig hin, schließe deine Augen und lass deinen Atem zur Ruhe kommen. Richte deine Aufmerksamkeit nun auf deinen Verstand und beobachte ihn. Schau dir an, was in deinem Verstand vor sich geht. Fast zeitgleich, wenn du deine Augen geschlossen hast, wirst du beobachten können, dass es einen kontinuierlichen Fluss von Gedanken in deinem Verstand gibt. Da ist eine anhaltende Aktivität in deinem Verstand. Fast fortlaufend fließen dir Gedanken durch den Kopf. Schreibe dir mal alle diese Gedanken, die du erfassen kannst. Notiere alles, was dir bewusst wird, worüber du nachdenkst. Notiere ca. 5 Minuten lang jeden Gedanken, der in dir auftaucht.

Schau dir anschließend deine Notizen an und du wirst erstaunt sein, wie zusammenhangslos diese Gedanken, dein inneres Gerede ist. In einem Augenblick hast du noch an´s Essen gedacht und im nächsten Augenblick an die Arbeit, dann an die Probleme beim Abnehmen, dann wieder ans Essen, dann an zu Hause, dann an Geldsorgen, dann an deinen Partner, an Sex, ans Einkaufen, den Urlaub,  Essen, einkaufen, schlafen, Traurigkeit, Handy, Krankheit, Bett, Kummer, Arbeit, Abnehmen usw…

Das ist der Verstand, dem du dein Leben anvertraut hast! Das ist der Verstand, der all deine Sorgen erzeugt. Das ist der Verstand, der dein Leben für dich lebt. Wenn du einfach nur das verstehst, dann kannst du mühelos dein sorgen über deine Sorgen fallen lassen. Sorgen lösen sich nicht, indem man an ihnen zerrt und sich andauernd mit ihnen beschäftigt. Probleme lösen sich, indem man sich vom problematischen Denken löst. Wenn dir etwas „schwer im Magen liegt“ oder du „etwas nicht verdauen“ kannst, dann sind es die Sorgen, die du dir in deinem Kopf „zubereitest“, und die der Magen nicht verdauen kann.

Wie löst man sich also von Sorgen?

Hör auf, dich über deine Sorgen zu sorgen. Erkenne einfach die Sorgen und lasse dich nicht von ihnen stören. Nur, wenn du dich von deinen Sorgen einnehmen lässt, und du dir darüber Sorgen machst, entsteht das eigentlich „sich sorgen“. Das ist die Wurzel des Sorgens. Versuch gar nicht erst, dich nicht zu sorgen, denn das wird dir noch mehr Sorgen bescheren, weil du unter Druck stehst, denn du solltest dich ja eigentlich nicht sorgen. Aber das wiederrum füttert nur deine Sorgen. Hör auf, dich über deine Sorgen zu sorgen! Lass dich nicht von ihnen vereinnahmen, indem du dir auf sorgenvolle Art über deine Sorgen sorgen machst. Akzeptiere es, Sorgen zu haben. Wir alle haben Sorgen. 99 Prozent deiner Sorgen treffen dabei sowieso nicht ein. 99 Prozent deiner Sorgen sind völlig unbegründet. Diese Art sich zu sorgen, negativ zu denken verfestigt sich in deinem Charakter und wird zu einer Art negativem Einfluss bei allem, was du tust.

Du wirst alles als negativ und sorgenvoll betrachten, weil du die Brille des Sorgens auf hast. Wenn solch ein Charakterzug bereits zu deiner eigenen Natur geworden ist, dann brauchst du Bewusstsein (Selbstbewusstsein, Sich-selbst-bewusst-sein) um es erkennen zu können. Und wenn du es erkannt hast, kannst du verändern. Was dir nicht bewusst ist, kannst du nicht verändern. Ohne Bewusstwerdung, ist keine Veränderung möglich. Du weißt ja nicht mal, was zu verändern wäre. Daher ist Meditation so wichtig, weil du dir deiner selbst bewusst wirst. Akzeptiere deine Art, besorgt zu sein. Leiste keinen Widerstand, versuche nicht es zu verändern.

Akzeptanz ist eine deiner starken Fähigkeiten. Akzeptiere, dass du dieses Gerede in deinem Verstand wahrnehmen kannst, aber identifiziere dich nicht damit. Es ist normal Sorgen zu haben. Es ist ein kollektives Ding. So wie im Stau stehen. Du kannst den Stau nicht verändern. Alle stehen im Stau. Die einzige Wahlfreiheit die du in solchen Momenten hast, ist deine Art zu denken. Du entscheidest selbst, was du über den Stau denken willst. Du bist frei in deinen Gedanken. Lass dich von dem negativen Gesäusel in deinem Kopf nicht vereinnahmen. Überlass ihnen nicht deine komplette Aufmerksamkeit. Die Sorgen leben von deiner Aufmerksamkeit. Und du bist es, der ihnen diese Aufmerksamkeit (Energie) schenkt. Schenke sie lieber deiner Freundin, deinem Freund, der Liebe, der Zuversicht, jemandem der deine Aufmerksamkeit gebrauchen kann und wo du das Gefühl hast, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun. Verwende deine wertvolle Energie nicht für ein paar Sorgen. Gleiches zieht gleiches an. Sorgen ziehen weitere Sorgen an. Gutes zieht gutes an. Alles lebt von dir, in dir und wegen dir. Hör auf, dich über deine Sorgen zu sorgen!

http://www.meditationsschule.eu

 

 

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