Alleinsein und Meditation 

Längere Zeit physisch mit anderen Menschen zusammen zu sein, zum Beispiel mit dem Partner, mit Arbeitskollegen, den Kindern, Kunden etc. , kann früher oder später eng und schwierig werden. Schnell kann man sich in Konflikte verstricken und überempfindlich reagieren. Achtsame Selbstbeobachtung und Einfühlung in die eigenen Bedürfnisse sind in Gesellschaft wesentlich schwieriger und oft sogar kaum möglich. Ohne Phasen des Alleinseins kommt einem der achtsame Zugang zu sich selbst abhanden.

Zeitweiliges Alleinsein ist also ein wichtiges Element zum inneren Wachstum. Um die Vielfalt der eigenen Bedürfnisse, Wahrnehmungen, Gedanken,- und Gewohnheitsmuster kennenzulernen bedarf es bewusster Phasen des Alleinseins, wie zum Beispiel bei der Meditation. Schon allein die Akzeptanz, sich selbst spüren zu wollen, kann viele Situationen entspannen. Je vertrauter man mit sich und seiner Innenwelt ist, desto leichter wird es einem fallen, sich in andere Menschen einzufühlen und dessen Bedürfnisse genauso zu akzeptieren wie die eigenen. Es ist der erste Schritt zu gesundem Mitgefühl.

Die größten Schwierigkeiten entstehen immer dann, wenn wir nur unsere persönlichen Interessen durchsetzen möchten. Das Ego bringt Erwartungen hervor und es entstehen Zuneigung und Abneigung. Wenn wir im Austausch mit anderen Menschen auf egoistische Ziele aus sind und wir uns nicht aus dem Griff des Egos befreien das an Forderungen festhält, dann wird der Mensch hinter unseren Urteilen und Forderungen verschwinden. Es besteht die Gefahr der Trennung und Abspaltung. Es passiert genau das, was wir uns eben nicht gewünscht haben. Wir verlieren die Aufmerksamkeit und hören dem anderen kaum noch zu. Jetzt zählt nur noch das eigene Ich und es entstehen Anspannung und Stress. In dieser zersplitterten Einsamkeit kann keine gesunde Kommunikation mehr stattfinden.

Im zeitweiligen Alleinsein, in der urteilsfreien und bejahenden Selbstbeobachtung und Selbsteinfühlung üben wir zunächst auf Deutungen und Veränderungswünsche zu verzichten. Wir beobachten so genau wie möglich, welche körperlichen Empfindungen, welche Gedanken, welche Reaktionen und welche Handlungstendenzen in uns selbst aktiv sind. Mit dem Verständnis über den eigenen inneren Prozess, mit der Akzeptanz der tausend Stimmen in uns, lernen wir alles zu akzeptieren, folgen später aber nicht mehr allem blind!

Wir fragen uns, ob unsere gewohnheitsmäßigen Handlungs,- und Verhaltensweisen zum gewünschten Ergebnis führen werden? Nachdem wir also beobachtet und akzeptiert haben was geschieht, können wir etwas verändern. Vorher waren wir unbewusst. Wussten über die eigenen Geschehnisse im Inneren nicht bescheid. Vielleicht haben wir ihnen bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Aber nun kennen wir sie und wir fangen an zu überprüfen, ob sie uns noch dienlich sind.

Eine innere Aufmerksamkeit entsteht, eine Art inneres wach werden, klar sehen und fühlen. Hellfühligkeit und Hellhören entwickeln sich. Das Bewusstsein wächst und zur gleichen Zeit schrumpft etwas anderes, was vorher viel zu viel Energie gezogen hat. Wir werden toleranter, offener und feinfühliger. Alles bewegt sich in eine andere, lichtvolle Richtung. Diese Aufmerksamkeit, dieses wach sein, ist eine Art von Intelligenz die sehr spannend ist. Sie ist ganz neutral, sie ist einfach da. Durch Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und unendlicher Geduld kommt sie zum Vorschein. Im Buddhismus ist es das Bild von der Lotusblume, die sich durch den Schlamm kämpft und plötzlich zur vollen Pracht auf der Oberfläche erblüht. Sie war die ganze Zeit existent, sie war nur auf dem Grund.

Diese Pracht ist auch in uns. Im Alleinsein, in der Meditation lassen wir dieser Pracht Zeit um an die Oberfläche zu kommen, um ins Bewusstsein zu gelangen. Dafür meditieren wir, sitzen so gut es geht in Stille, bringen die Gedanken zur Ruhe, öffnen unseren Geist und sind wachsam, aufmerksam und achtsam. Aufmerksam und wachsam. Ruhig, still und gewahr. Einfach nur gewahr. So wie jetzt, einfach nur still und aufmerksam. Es ist ganz nah. Genau jetzt 🙂 

Karsten Spaderna, www.meditationsschule.eu

www.meditationsschule.eu

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